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Eine andere Art Friedhof

Erstellt am 06.09.2018 von katrin.hiernickel

Stadtverband für Gartenbau und Landespflege Haßfurt besucht den RuheForst Maintal Theres.

Friedhöfe gehören zu unserem gesellschaftlichen und kulturellen Leben und sind demzufolge genauso dem demographischen Wandel unterzogen. Somit gewinnen alternative Bestattungsformen immer mehr an Bedeutung. Nach einer Umfrage von Aeternitas der Verbraucherinitiative Bestattungskultur von 2016, lag der Wunsch vieler Deutscher sich noch in einem üblichen Sarggrab auf einem Friedhof beisetzen zu lassen nur noch bei 24 %. Nach einem Bericht von Spiegel Online war schon 2015 der Prozentsatz der Feuerbestattungen in Deutschland bei 60 %. Vor diesem Hintergrund möchte sich der Stadtverband für Gartenbau und Landespflege Haßfurt diesem stetigen Wandel der Friedhofskultur annehmen, erklärte die Vorsitzende Petra Schilling. Unter dem Thema „Orte der Würde, Kultur und Natur“ sollen neuere und auch alte Entwicklungen der Bestattungskultur ein Thema sein. Ziel ist es verschiedene Ruhestätten zu besuchen, wie den jüdischen Friedhof oder auch den alten und neuen Friedhof in Haßfurt. Zum Auftakt besuchte der Stadtverband für Gartenbau und Landespflege Haßfurt am letzten Dienstag den im Jahre 2015 ausgewiesenen RuheForst Maintal in Theres. Begrüßt wurden die zahlreichen Teilnehmer durch Achim Friedrich Graf von Beust und Diana Tapper, die Ansprechpartner und Betreiber des Ruheforstes sind. Träger ist die Gemeinde Theres. Damit das Waldgebiet als Ruheforst ausgewiesen werden konnte, musste es aus dem Bundeswaldkataster herausgenommen werden. Der Ruheforst bietet Ruhestätten innerhalb eines historischen Laubwaldes. Wer sich für eine Beisetzung im Ruheforst entscheidet erwirbt das Recht auf Nutzung der Ruhestätte für 99 Jahre. Erst 2114 entscheidet sich, ob der Wald weiter Ruheforst sein wird oder nicht. Insgesamt sind 300 Bäume als Ruhebiotope ausgewiesen. Dabei kann die klassische Eiche oder Buche genauso ausgewählt werden wie die Kirsche oder Kastanie. Es gibt Gemeinschaftsbiotope, Familien- und Freundschaftsbiotope. Dabei hat ein Gemeinschaftsbiotop 12 Plätze in einem Radius von zwei Metern um den Lieblingsbaum. Die Urne aus biologisch abbaubarem Material wird 90 cm tief eingesetzt. Der Ruheforst ist von der evangelischen Kirche gesegnet und von der katholischen Kirche geweiht, versichert Graf Beust. Die Trauerzeremonien finden an der Andachtsstelle des Forstes statt. Ein Platz, der von hohen Bäumen kathedralisch umrandet ist. „Dabei kann die Trauerfeier“, so Graf Beust, „individuell oder nach kirchlich-religiösen Ritualen gestaltet werden.“ Wer sich für einen Platz im Ruheforst entscheidet, ist in die Natur des Waldes eingebettet. Keine individuelle Grabpflege. „Nur natürliches Moos aus dem Wald und Blumenköpfe sich erlaubt“, so Graf Beust, denn die Tiere im Wald müssen geschützt werden. „Auch“, erklärt Graf Beust, „werden 35 -40 % der Ruhestätten ohne Kenntlichmachung vergeben. Nur die Familie kennt den Platz des Verstorbenen“. Die Teilnehmer des Rundganges waren sehr beeindruckt. „Der Grabbesuch wird zum Waldbesuch“, erklärte Petra Schilling, die die Führung durch den Ruheforst als gelungenen Anfang zur Besucherreihe der Bestattungsformen im Landkreis erklärte und sich bei Graf Beust und Diana Tapper bedankte. Der Ruheforst ist eine pietätvolle Entwicklung der Friedhofskultur und sensibilisiert gleichzeitig für die Schönheit der Natur.

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